Stadt Bad Soden am Taunus

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Aus der Sodener Postgeschichte

Die erste Nachricht über das Bestehen einer Postverbindung Sodens mit Höchst haben wir von dem im Jahre 1830 in Soden zur Kur weilenden Ludwig Börne. Ungeduldig, so schrieb er in sein Tagebuch, erwarte er das Eintreffen des Postboten, dem er oft ein gutes Stück des Weges gegen Höchst entgegenging, um schnellstmöglich die neuesten Nachrichten über die Pariser Unruhen zu erfahren.

Schon 1616 führte der Kaiserliche Hofpostkurs von Frankfurt nach Königstein. Ob er dabei Soden passierte, ist fraglich, da die Straßenverbindung wohl an Soden vorbeiführte. Auch die Karte mit den Postkursen von 1793 zeigt, dass die Route von Frankfurt über Königstein, Würges, Limburg Richtung Koblenz und Köln führte. Auf der Karte der von Thurn und Taxis zwischen 1860 und 1867 benutzten Eisenbahnlinien ist auch die Strecke Höchst-Soden genannt und eingezeichnet. Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb am 17.07.1844 an Carl Klingemann in London: "Der Omnibus nach Königstein fährt zweimal des Tages vorbei." Er meinte damit die Diligence, den Eilwagen zwischen Frankfurt und Köln. Im Amtsblatt des Herzoglich Nassauischen Oberpostamtes für die Ämter Königstein und Höchst vom 25.05.1858 heißt es: "Mit der Kölner Dilligence finden außer größeren Fahrpostsendungen auch Personenbeförderung statt". In der Zeitschrift Didaskalia Nr. 39 vom Donnerstag, dem 08.12.1844, hieß es, dass die "Poststraße nach Königstein, Limburg usw., jetzt gegen alles Erwarten ziemlich belebt ist".

Wie man sich in einem normalen Postwagen, eben dem Sodener, fühlte, beschrieb Friedrich Stoltze in der "Frankfurter Latern" vom 26.08.1861: "Die Sodener Postwagen haben keine Laterne, und man hat uns deshalb aufgefordert, sie wenigstens in die Laterne zu setzen. Klein genug sind sie allerdings dazu. Wer sich einen Begriff von demjenigen Wohlbehagen machen will, das bei dreißig Grad Hitze sechs Personen in einer halbwächsigen sächsischen Kattunkiste überfällt, der nehme einmal Platz im Coupé einer Sodener Postkutsche. Eine schlecklichere, roth angestrichene Fürstlich Thurn- und Taxis’sche Maikäferschachtel mit vier Rädern ist gar nicht zu ersinnen. Eine löbl. Postdirection scheint vermuthlich nur lauter Sodener Badegäste im Aug’ gehabt zu haben, die allerdings und im Allgemeinen an übertriebener Fallstaffigkeit nicht leiden. Vielleicht schwebten ihr auch dickere Personen vor, z. B. wie kürzlich jener geistliche Herr, dem der Vollmond nicht allein ins Gesicht, sondern auch in den Leib geschlagen war, und dazu noch seine Köchin vor sich auf dem Schoß hatte und bei der Ankunft in Höchst bedauernd ausrief: ‘Ach, da sind wir ja schon!’".

Die nassauische Post war seit 1806/1807 vom Herzog dem Fürsten von Thurn und Taxis als Lehen überragen worden. In einem Schreiben an den "Durchlauchtigsten Fürst" von Thurn und Taxis aus Frankfurt vom 17.04.1842 (Nr. 10.843) heißt es: "In dem Herzoglich Nassauischen Kurorte Soden erheischte das örtliche Bedürfnis während der Badesaison schon seit dem Jahre 1836 die Einrichtung einer Postcollection jährlich auf die Dauer von drei bis vier Monaten. Doch beschränkte sich der Geschäftskreis derselben nur auf die Besorgung von Briefen und kleinen Päckereien, größere dagegen und der Transport von Personen waren bisher gänzlich ausgeschlossen. Bei dem von Jahr zu Jahr sich steigernden Besuche dieser Heilquellen wird eine solche Einrichtung nicht mehr ausreichen; das h. Oberpostamt dahier hat deshalb in den ehrerbietigst beigeschlossenen Berichte zur Abhilfe dieses Mangels für die nächste Saison die Errichtung einer ständigen Postexpedition zu Soden mit der Ausdehnung auf Güter und Personentransport beantragt, zugleich auch die Überzeugung ausgesprochen, dass die sich ergebende Einnahme an Porto und Franko für die Briefe und Päckereien bei weitem ausreichen würde, dem ständig anzustellenden Expeditor ein seinem Geschäftsumfange entsprechendes Diensteinkommen zu gewähren ..."

Gleichzeitig stand die Einrichtung eines ständigen Personen- und Güterverkehrs zwischen Königstein und Höchst durch den Königsteiner Posthalter Colloseus auf eigene Rechnung bevor. Bis dahin hatte man mit Mietkutschen reisen müssen. Das "Generale" an sämtliche Postanstalten über die Einrichtung einer Poststation in dem Kurort Soden datiert vom 20.06.1842. Mit dem 01.07.1842 gab es in Soden eine Brief- und Fahrpostexpedition.

Die Postexpedition befand sich im Hause des Wilhelm Himmelreich, Ecke Königsteiner Straße/Hauptstraße (heute Zum Quellenpark - Taunus-Sparkasse), Königsteiner Straße 77 (früher Nr. 43). Himmelreich hatte dieses Haus 1830 als zweites Haus an dieser Straße erbauen lassen. Das Haus wurde am 02.02.1945 bei einem Fliegerangriff zerstört

Telegrafenbetriebsstelle wurde die Postexpedition am 15.07.1867. Seit dem 12.11.1900 gab es eine Fernsprechvermittlungsstelle sowie eine öffentliche Sprechstelle.

Am 01.05.1897 zog die Poststelle in das Gebäude Kronberger Straße 6 um. Am 01.05.1927 erwarb die Post das Gebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg mietete sie am 18.10.1971 in einem Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Deutschen Hofes Ecke Königsteiner Straße/Mühlweg Räume für ein neues Postamt an.

Bis zum 31. März des Jahres 1902 gab es eine von Soden ausgehende Landpostfahrt, die den Verkehr mit Niederhofheim, Kelkheim-Münster, Kelkheim und Kelkheim-Hornau besorgte. Sie wurde eingestellt, als die Kleinbahn Höchst-Königstein am 01.04.1902 ihren Betrieb aufnahm. Zum Landzustellbereich Soden gehörten auch Altenhain und Neuenhain. In Neuenhain wurde am 10.05.1886 eine Postagentur eingerichtet. Zu Soden gehörten auch die Postagenturen Münster (vom 01.4.1888 bis 31.03.1902), Kelkheim (vom 01.04.1900 bis 31.03.1902) und Sulzbach (vom 01.03.1913 bis 31.03.1927).

Während der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg war der Briefverkehr nur innerhalb der besetzten Zonen zugelassen und wurde überwacht. Nachdem anfänglich alle Fernsprechverbindungen unterbrochen worden waren, wurde lebenswichtigen Betrieben die Benutzung des Fernsprechers mit besonderer Genehmigung erlaubt. Da die Oberpostdirektion Frankfurt nicht im besetzten Gebiet lag, war in Wiesbaden eine Vertretungsstelle eingerichtet worden. In der Zeit des passiven Widerstandes vom 13.01.1923 bis zum 26.09.1923, als der gesamte Postverkehr zum Erliegen kam, wurden der Postassistent Reimund Macher mit seiner Familie und dann auch sein Vertreter, Postassistent Fröhlich, aus der besetzten Zone ausgewiesen.




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