Jubiläum

25 Jahre Kulturzentrum Badehaus 


„Für das passende Badekabinet ist besonders Sorge zu tragen. Dasselbe muss geräumig, leicht zu lüften, trocken, wo möglich gegen die Morgensonne gelegen, nicht zu kühl … und mit allen Utensilien versehen sein.“ 
Otto Thilenius, Badearzt in Soden, 1865.

Das noch zur Zeit des Deutsch-Französischen Kriegs (1870/1871) erbaute Badehaus im Alten Kurpark feiert 2021 sein 150-jähriges Bestehen. Das Gebäude wird seit den ausgehenden 1990er-Jahren nicht mehr als Badeeinrichtung für Sole- und Sprudelbäder, Elektrotherapien oder Massagen genutzt, sondern als Kulturzentrum der Stadt Bad Soden am Taunus: Stadtbücherei, Stadtmuseum, Stadtgalerie, KunstKabinett und Kunstwerkstatt begrüßen heute einen neuen Besucherkreis.

Das Badehaus unterhalb des Burgbergs wurde als unverputztes Ziegelsteingebäude errichtet. An einen zweigeschossigen Mittelrisalit schlossen sich im Süden und Norden eingeschossige Flügel an, die in Eckpavillons endeten. Dahinter entstand ein Kesselhaus mit Schornstein zur Beheizung. Bereits um 1882 wurden die stallartigen kleinen Fenster der Badekabinette ausgetauscht und das Gebäude mit einem neuen Dach versehen. Zudem war wenige Jahre nach Erbauung der eckige Schornstein durch einen weithin sichtbaren 27 Meter hohen, runden Schornstein ersetzt worden. Im Winter 1905/06 erfolgte eine Erhöhung des Gebäudes um ein weiteres Stockwerk.

Dort fand unter anderem das medico-mechanische Institut, eine Art Fitnessstudio, in vier Räumen seinen Platz. Außerdem wurde ein Röntgenkabinett eingerichtet, wobei die Nutzung von Röntgenstrahlen damals eine noch junge, wenig erforschte wissenschaftliche Methode darstellte. Noch vor dem Ersten Weltkrieg zog die Fitnessanstalt in das neu erbaute Burgberg-Inhalatorium, und es kam zu weiteren Umbauarbeiten im und am Badehaus. Dem Mitteltrakt wurde ein Umgangsbau mit fünf Bögen vorgelegt und ein mit Balustraden geschmückter Balkon angebracht. Somit hatte das Gebäude um 1914 im Wesentlichen seine heutige äußere Gestalt erlangt.

Nachdem das Badehaus im Zweiten Weltkrieg einige Beschädigungen durch Brandbomben erlitten hatte, wurde es nach Kriegsende zunächst nur notdürftig für die Badeanwendungen wieder hergerichtet. Erst in den 1950er- und den beginnenden 1960er-Jahren konnten umfangreiche Umbau- und Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt werden, die es in ein modernes Kurmittelhaus verwandelten. Unter anderem wurde 1962 an den Südflügel ein Anbau gesetzt, in dem die neue Kneipp-Abteilung ihren Platz fand sowie weitere Fango- und Massageanwendungen angeboten wurden.

Spätestens 1993 – mit dem Ausbau des ehemaligen Burgberg-Inhalatoriums zum modernen Kurmittelhaus mit Badeanwendungen unter dem neuen Namen Medico Palais – wurde das Badehaus als Badeanstalt obsolet. Nach vielen politischen Diskussionen und Planungen seit den 1980er-Jahren konnte 1998 das stark renovierungsbedürftige Badehaus nach aufwändigen Baumaßnahmen seiner neuen Bestimmung als Kulturzentrum übergeben werden.