Berühmte Kurgäste: Graf Leo (Lew Nikolajewitsch) Tolstoi 

„Ich habe dein abscheuliches Soden dafür liebgewonnen, daß es dich wieder auf die Beine gebracht hat“, so Fürst Ščerbackij an seine Tochter Kitty in Tolstois Roman Anna Karenina.

Ein auch heute noch sehr bekannter russischer Schriftsteller, der 1860 Soden besuchte, war Graf Leo Tolstoi.
Kurz zuvor waren seine beiden Brüder Nikolai und Sergei sowie seine Schwester Marja auf Empfehlung seines Schriftstellerkollegen Iwan Turgenjew in Soden gewesen. Dieser hatte den Geschwistern Tolstois den nassauischen Kurort empfohlen, nachdem er gehört hatte, wie schwer Nikolai Tolstoi an Tuberkulose erkrankt war: Er bat den russischen Lyriker Afanasij Fet dafür zu sorgen, dass Nikolai umgehend zur Kur nach Soden geschickt werde: „Weshalb kommt er nicht nach Soden? … Die Wässer von Soden sind für solche Fälle am besten, wenn nicht die besten“. Doch als Leo am 26. August 1860 in Soden eintraf, waren sowohl Turgenjew als auch seine Geschwister bereits weitergereist. 

Leo wohnte in einer Villa gegenüber dem (Alten) Kurpark in der Villa Keller, die heute auch als Villa Tolstoi (Königsteiner Straße 83) bezeichnet wird. Die Villa Keller wurde 1989 vollständig renoviert und steht einschließlich des Gartens mit seinem alten Baumbestand unter Denkmalschutz. Wie nachhaltig sich Soden bei Leo einprägte, verraten die zahlreichen Reminiszenzen an den kleinen Taunusort in seinem Roman Anna Karenina, den er in den Jahren 1873-78 verfasste. Im Rahmen seiner pädagogischen Studien und dem Versuch, die schulischen Zustände in Russland zu reformieren, besuchte er auch die hiesige Volksschule, damals noch im alten Ortskern gelegen. Im Besucherbuch notierte er: „Keine bessere Volksshule [sic!] gesehen – Graf Leo Tolstoy, Rußland. Gutsbesitzer 28./29. VIII. 1860.“ (siehe untenstehende Abbildung). 


Stadtmuseum ab 01. Juli wieder geöffnet

Im Stadtmuseum, das am 01. Juli 2020 wieder öffnet, ist das originale Besucherbuch ausgestellt. 1860 ging als das Russenjahr in die Sodener Geschichte ein. Dank der ausgebauten Verkehrswege kamen auch immer mehr ausländische Kurgäste nach Soden, darunter viele wohlhabende Russen.