Sodens bekanntester Kurgast:
Felix Mendelssohn Bartholdy

Das Zitat „– da tut das Sodener Leben, Essen und schlafen ohne Frack, ohne Klavier, ohne Visitenkarten, ohne Wagen und Pferde, aber auf Eseln, mit Feldblumen, mit Notenpapier und Zeichenbuch, mit Cécile und den Kindern, doppelt wohl“ stammt aus einem Brief Mendelssohns vom 22. Juli 1844.

Der zweifellos bekannteste Kurgast in Soden war der Komponist, Pianist und Organist Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Nach ihm sind die Mendelssohn Tage benannt, die alljährlich in Bad Soden am Taunus stattfinden. Mendelssohn hielt sich 1844 und 1845 für mehrere Wochen als Kurgast in Soden auf.
Bei beiden Aufenthalten wohnte er mit seiner Frau, den Kindern sowie den mitgebrachten Hausangestellten in der Kurpension Nassovia an der Königsteiner Straße, in der heute das Restaurant Casa Mendelssohn zu finden ist. 

Anlass für seinen ersten Aufenthalt war vor allem die von Geburt an schlechte Gesundheit seines einjährigen Sohnes Felix. Aber, wie wir aus seinen Briefen erfahren, war auch seine Frau Cécilie gesundheitlich angeschlagen – sie erholte sich aber schnell in Soden.

Überhaupt sind wir durch seine ausführlichen Briefe an seine Familie, z.B. seine vielgeliebte Schwester Fanny, und seine Freunde bestens über den Ferienalltag in Soden unterrichtet:
Der Konditor verkauft hier auch Hemdenknöpfe, die Polizei ist der Mann der Kochfrau, in der Kirche zu Neuenheim [Neuenhain] ist um acht katholischer, um neun protestantischer Gottesdienst, der Feldberg ist zwei Stunden des Weges, es gibt auch viel Esel hier…“, schreibt er am 22. Juli 1844. An Carl Klingemann heißt es: „…Ich sitze hier am offenen Fenster, sehe in den Garten, und den Kindern zu, die da mit ihrem ‚lieben Johann’ [Hausangestellter der Familie] spielen, – der [Pferde-]Omnibus fährt zweimal des Tags vorbei, – zum Kaffee gibt es früh Walderdbeeren – um 2 wird zu Mittag gegessen, um 8 1/2 zu Abend, um 10 Uhr schlafen wir alle – der Brunnen Nr. 18 [korrekt wäre Nr. XIXa], den man auch Champagner-Brunnen nennt, – der Medizinalrath Thilenius – die Badeliste, die Sonnabend herauskommt, wie bei Euch der Punch, – der Fußbote, der anfragt, und mir Tags darauf meine Wäsche von dort mitbringt, – die Kirschfrauen, mit denen unser 4jähriger Paul den Handel abschließt, oder sie wegschickt, nach Belieben – vor alle, die rheinische, gute Luft – es ist Alles wohlbekannt, und ich nenne es Deutschland!“
Doch auch in Soden in der geruhsamen Atmosphäre komponiert Mendelssohn, so entstehen u.a. diverse Orgelkompositionen und er vollendet das Violinkonzert in e-Moll Opus 64, ein klassisches Orchesterwerk, das am 13. März 1845 in Leipzig mit Ferdinand David als Solist uraufgeführt wird.Außerdem unternimmt er Ausflüge in die nähere Umgebung, wobei ein bevorzugtes Ziel die Drei Linden-Höhe im oberhalb von Soden gelegenen Neuenhain war. Da Mendelssohn viele dieser Ausflugsziele in seinem Skizzenbuch festhielt, haben sie sich für die Nachwelt erhalten.Abgeschnitten von der Welt ist er auch in Soden nicht. Der Schriftsteller Nikolaus Lenau und der Dichter August Hoffmann von Fallersleben besuchen ihn sowie der Lyriker Ferdinand Freiligrath, der in Kronthal kurt.
Er begleitet sie alle drei eine Viertelstunde auf ihrem Heimweg und debattiert mit ihnen über die Weltordnung und das Wetter. Es war wohl wirklich eine schöne Zeit, die Mendelssohn mit seiner Familie und beim zweiten Aufenthalt sogar mit seiner Schwester in Soden verbrachte. Einen Brief schließt er so: Alsdann lege ich mich wieder unter die Äpfelbäume…Ach wenn es doch immer so bliebe!“ 

Darstellung oben: Rötelzeichnung Felix Mendelssohn Bartholdy des Sodener Künstlers Rudolf Schucht