Sodens berühmte Kurgäste: Der Frankfurter Nationaldichter Friedrich Stoltze

Darstellung oben: Rudolf Schucht, "Friedrich Stoltze nach W. Pfnor X.A.", Federzeichnung in Sepia 1983

"Deutsches Nizza! mildes Soden! Mit berühmten Säuerlingen, die vor Freude aus dem Boden zwölf pariser Fuß hoch springen“ (Aus der Frankfurter Latern 1873). So beginnt der Frankfurter Nationaldichter Friedrich Stoltze (1816-1891) sein Gedicht die Sodener Krankheit, eine humoristische Erzählung mit hohem Wahrheitsgehalt. Es um eine leidende Frankfurter Dame, die auf wundersame Weise sofort genesen ist, sobald sie zur Sommerfrische (Kur) ihre Freundinnen in Soden treffen darf; natürlich alles auf Kosten des daheimgebliebenen Ehemanns.

Zahlreiche Gedichte und Erzählungen über Soden

Über Soden hat Stoltze, der demokratisch gesinnte Verfasser der Satirezeitschrift Frankfurter Latern, zahlreiche Gedichte und Erzählungen verfasst. Allein das Nadelkissen, womit der damals mit Weinstöcken gespickte Burgberg gemeint war, ist dem Kenner ein Begriff. Warum er in der Rubrik Kurgäste hier angeführt wird, hat seinen Sinn. Stoltze kurte wiederholt im nahegelegenen Königstein. Allerdings riet ihm der dortige Badearzt Dr. Georg Pingler nach Soden zu laufen, um das hiesige Heilwasser zu trinken: In einem Brief an seine Tochter Alice schrieb Stoltze 1890 aus Königstein: „Daß mir die Kur in Königstein etwas nützt, bezweifle ich. … Neulich war ich mit Laura und in Gesellschaft von zwei Südamerikanern nach Soden gegangen. Es war zu weit für mich und ich hatte eine hustenvolle und schlaflose Nacht. Pingler aber sagt, ich soll jeden Tag von Königstein nach Soden gehen und da ein Glas Wasser von der Quelle Nr. 3 trinken".


Über das Sodener Kurleben macht sich Stoltze auch in einem Gedicht lustig. Es handelt von einem Dorfbewohner, der einem englischen Kurgast im Kurpark „auf Schritt und Tritt“ hinterherläuft – jedoch nicht aufgrund dessen auffälliger Erscheinung, sondern weil der Englishman in vierzehn Tagen Aufenthalt nicht einmal gehustet hat und sich somit verdächtig macht.

Mit dem Schiff zur Königsteiner Kerb


Stoltze wird noch mit einer anderen Begebenheit in unserer Umgebung in Verbindung gebracht. Diese ereignete sich 1827 in Höhe des Batzenhauses in Neuenhain, das heute in einem Neubau von 1981 koreanische Küche anbietet. Beim Stammtisch im traditionsreichen Frankfurter Gasthof Zum Rebstock wurde die Idee geboren, mit einem pferdebespannten Rollwagen, auf dem ein selbstgebautes Schiff montiert war, von Frankfurt aus zur Königsteiner Kirmes zu fahren. Ideengeber dieses Spektakels war u.a. der Wirt des Gasthauses, Friedrich Christian Stoltze, der Vater des Mundartdichters. 

Stoltze jun. nahm dann auch selbst als Elfjähriger an der Bootsfahrt teil und verarbeitete dieses Erlebnis später (1866) in seiner Mundarterzählung "Der Schiffbruch des Raddampfers" ‚Freie Stadt Frankfurt‘ im Jahre 1827. Bei der Rückfahrt von Königstein erlitt dieser Raddampfer auf dem Neuenhainer Berg Schiffbruch: Die Hemmkette riss und das Gefährt samt Insassen stürzte die Böschung herunter. Zum Glück wurde dabei niemand ernstlich verletzt.

Foto: Gouache über die Fahrt des Raddampfers, ‚Freie Stadt Frankfurt‘, 1827. Verein für Geschichte und Altertumskunde Frankfurt am Main-Höchst e.V. Im Hintergrund sind die Taunushänge zu erkennen.