stadtleben

Städtepartnerschaft von Bad Soden und Sulzbach 


In kleiner, geheimer Runde haben die beiden Bürgermeister hinter verschlossenen Türen verhandelt, schließlich sollten vorab nicht zu große Erwartungen geschürt werden. „Ganz einfach waren die Gespräche auch nicht“, erinnert sich Dr. Frank Blasch an das zähe Ringen mit dem Nachbar-Bürgermeister, „mancher Stachel saß doch sehr tief.“ Dem kann Sulzbachs Bürgermeister nur zustimmen, „denn beide Kommunen haben sich ja nicht auf Augenhöhe befunden“.

Älter gegen größer

Elmar Bociek betont die große Bedeutung von Sulzbach und erinnert daran, dass schließlich seine Stadt nachweislich 150 Jahre älter sei als Bad Soden und sich die heutige Nachbarkommune nur durch das früher wachsende Sulzbach entwickeln konnte. „Wir haben euch dagegen locker überholt, Stichwort Kurbetrieb und Einwohnerzahl“, hält Bürgermeister Dr. Frank Blasch deutlich dagegen. Aber bevor die Emotionen wieder hochschaukeln, blicken sich die beiden Bürgermeister tief in die Augen: „Wir sind nicht Köln und Düsseldorf, auch nicht Frankfurt und Offenbach – wir zeigen, wie man Rivalität von Nachbarn kreativ beilegt und gemeinsam in die Zukunft blickt.“

Herausgekommen ist bei diesem intensiven Gedankenaustausch die Idee einer gemeinsamen Städtepartnerschaft. Den Plan haben die beiden Bürgermeister jetzt symbolisch an der Stadtgrenze beider Kommunen vorgestellt. „An dieser Stelle wird doch ganz deutlich, wie nah wir uns eigentlich sind“, sagen Dr. Frank Blasch und Elmar Bociek in überraschend frühzeitiger Harmonie.

Und das kam bei dem Treffen der „B-Bürgermeister“ (Blasch & Bociek) heraus: Eine gemeinsame Arbeitsgruppe wird die Voraussetzungen für eine künftige Städtepartnerschaft ausarbeiten. Sukzessive sollten sich die Bürger beider Kommunen besser kennenlernen, Vorurteile abbauen und die Einwohner der jeweiligen Nachbarstadt als ernstzunehmende Bürger akzeptieren. „Bürgerreisen sind dafür ein gutes Mittel“, erläutern Dr. Blasch und Bociek, „das kriegen wir auch in Zeiten klammer Kassen gewuppt.“ Jeweils ein Vertreter von Bad Soden und Sulzbach soll schon mal eine so genannte Vorausfahrt unternehmen. Zudem sind Schüleraustauschprogramme geplant, in denen junge Menschen Land und Leute der jeweils anderen Kommune kennenlernen. Zentraler Bestandteil ist dabei deren Unterbringung in Gastfamilien, bei denen die Jugendlichen mit den typischen lokalen Traditionen konfrontiert werden. In diesem Zusammenhang könnten Sulzbacher Kerweborsch auch in Neuenhain hospitieren und lernen, richtig die Kerb zu feiern.

Gemeinsamer Hessentag?

Aber die Pläne der beiden Rathaus-Oberhäupter gehen viel weiter. Zum Beispiel denken sie an stadtübergreifende Feste, das habe ja schon beim Jubiläum „200 Jahre Königsteiner Straße“ gut funktioniert. Höhepunkt der neuen Freundschaft solle aber das gemeinsame Ausrichten des Hessentags in einigen Jahren sein. Unter dem Motto „Sulzbach und Soden – bester hessischer Boden“ sollen sich beide Städte neun Tage lang einem Millionenpublikum präsentieren. Finanziell könne das für beide Städte knapp werden, räumen die Bürgermeister ein, halten aber mit Optimismus augenzwinkernd dagegen „Gegebenenfalls müssen wir weiter an der Gebührenschraube drehen“.

„Der Alte Kurpark in Bad Soden und das ganze Drumherum ist für solch ein Mega-Event die ideale Location“, übt sich Dr. Frank Blasch schon mal in griffigen Werbeslogans. Bei diesen Worten verzieht sich die Miene von Elmar Bociek doch sichtlich. „Das Arboretum, der Platz an der Linde und der Heinrich-Kleber-Park kommen dafür genauso gut in Frage“, gibt Bürgermeister Bociek dem Amtskollegen Dr. Blasch deutlich Kontra. Bahnt sich hier eine erste neue Herausforderung für die angestrebte Partnerschaft an? Eine Portion Skepsis ist angebracht.

Foto: Die Bürgermeister Elmar Bociek (Sulzbach, links) und Dr. Frank Blasch (Bad Soden) haben gemeinsam große Pläne.