michael reitinger

Ein Vierteljahrhundert der Chef der Ferienspiele


Verliebte Betreuer und Luftballons im Flugzeug: Die Ferienspiele der Stadt Bad Soden am Taunus haben seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 1977 viele große und kleine Aufreger und zahlreiche Anekdoten erlebt. Über das große Sommerferienprogramm für Erst- bis Fünftklässler mit seinen vielen attraktiven Angeboten und Ausflügen kann Michael Reitinger viel erzählen. Die Riesenveranstaltung beginnt in diesem Sommer am ersten Ferientag, 29. Juni 2026, - und er leitet sie zum 25. Mal. 

Als die Ferienspiele vom ehemaligen Amtsleiter Richard Sippl 1977 initiiert und organisiert wurden – später mit Unterstützung des städtischen Eventmanagers Toni Ohlenschläger – war das Ferienprogramm mit 90 Kindern deutlich überschaubarer und fast familiär. Mittwochs machten die Ferienspiele traditionell Pause, und das Hausmeister-Ehepaar Lore und Helmut Weiß sorgte mit dem Personal täglich für frisch gebackenen Kuchen. 

243 Kinder 

„Das waren noch Zeiten“, berichtet der 50-jährige Michael Reitinger, Mitarbeiter in der städtischen Abteilung Kultur und Veranstaltungen, und dort unter anderem auch für die Musikkonzerte, den Weihnachtsmarkt und den Neujahrsempfang zuständig. Zu Beginn der Bad Sodener Ferienspiele war er noch im Säuglingsalter. Als er 25 Jahre alt war, hat er für die Stadtverwaltung zum ersten Mal selbst die Regie für den dreiwöchigen Ferienspaß übernommen, der manchmal nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr anstrengend ist. Die Verantwortung für die Obhut von – in diesem Jahr 243 Kindern – nimmt er sehr ernst. Dabei kann er sich auf ein gut zusammengestelltes Team verlassen mit 24 Betreuern, elf Helfern, zwei Gruppenleitern, einem Rettungsschwimmer, zwei Fahrern und einer Küchenkraft. 

Seine Maxime bei allen Ferienspielen ist, dem Zufall möglichst kein Türchen zu öffnen, alle Eventualitäten zu bedenken. Die Ziele neuer Tagestouren fährt er vorab mit seinem Auto an, um Routen, Parkplätze und Toilettenstandorte zu kennen. Sein Betreuerteam erhält umfangreiche Schulungen, es gibt Elternabende, Erste-Hilfe-Kurse und in diesem Jahr zum ersten Mal auch eine Hygiene-Unterweisung in der Küche durch den Main-Taunus-Kreis. „Unser Blick ist immer auf das Wohl der Kinder fokussiert“, sagt Michael Reitinger. 

Flieger nach Berlin 

Und dennoch passiert fast in jedem Jahr Unvorhersehbares: Einmal fehlte vor der Rückfahrt ein Kind – die Betreuer fanden es nach anderthalb Stunden Suche in der Warteschlange bei der Wildwasserbahn. Einmal hatte das Team im Bus dagegen ein Kind zu viel an Bord – es gehörte zu der Ferienspielgruppe einer anderen Kommune. Und wenn’s in Situationen mal richtig brenzlig war, hat dem aktiven Feuerwehrkameraden Michael Reitinger seine Ruhe und Routine geholfen. 


Eher in die Kategorie „Schmunzeln“ gehört rückblickend zum Beispiel ein Luftballonwettbewerb: Eine Lufthansa-Crew fand Ballon und Teilnahmekarte auf dem Rollfeld am Frankfurter Flughafen, gab ihnen einen Freiflug nach Berlin und schickte die Karte samt Foto aller Beteiligten zurück nach Bad Soden. Gerne erzählt Michael Reitinger auch von dem Ferienspielkind, dessen Eltern sich als Betreuer bei den Ferienspielen kennen- und lieben lernten, heirateten und heute ihren Nachwuchs wieder dem geschulten Aufsichtsteam bei den Ferienspielen anvertrauen. 

Dankbare Eltern 

In Erinnerung geblieben sind auch die Ferienspiele im Jahr 2023, die fast komplett im Regen untergingen. „Mit vielen Tricks und kreativer Fantasie haben wir erfolgreich gegen den Lagerkoller gearbeitet“, erinnert sich Michael Reitinger. Eine große Herausforderung waren auch die Ferienspiele unter Corona-Bedingungen. „Unter all den Beschränkungen und Vorkehrungen unbeschwerte Ferienspiele zu gestalten – da wurde uns viel abverlangt.“ Offensichtlich haben Michael Reitinger und seine Betreuer ihre Aufgabe sehr gut gemeistert. „Das hat uns sehr gerührt, wie dankbar die Eltern waren, dass wir sie unter diesen Vorzeichen drei Wochen entlasten konnten.“ 

25 Jahre Ferienspiele unter Leitung von Michael Reitinger sind gewachsen in Größe, Professionalität und Verantwortung. Geblieben sind sie, was sie im Kern ausmacht: eine Zeit neuer Begegnungen, toller Erlebnisse und spannender Geschichten, die verbinden und lange nachwirken.


Foto oben: Vorbereitung ist alles: Michael Reitinger bei einer Ferienspielschulung in der Hasselgrundhalle.

Foto unten: Michael Reitinger im Jahr 2007 bei den Ferienspielen mit dem damaligen Bürgermeister Norbert Altenkamp.