Stadt sagt "Danke"

Wilfried Staub für Engagement geehrt


Es gibt Menschen, die eine Stadt über Jahrzehnte begleiten, ohne selbst ein offizielles Amt zu bekleiden. Menschen, die ihr Wissen einbringen, hartnäckig nachfragen, Ideen entwickeln, Kontakte vermitteln und immer wieder den Blick darauf richten, wie etwas noch ein wenig besser funktionieren könnte. Einer dieser Menschen ist Wilfried Staub. Über Jahrzehnte hat er sich mit großer Leidenschaft und außergewöhnlicher Fachkenntnis für den Öffentlichen Personennahverkehr in Bad Soden am Taunus und der Region eingesetzt. Nun zieht er sich aus seinen zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten zurück. Die Stadt Bad Soden am Taunus sagt dafür Danke – mit einer Plakette, die künftig am Bahnhof an seinen Einsatz erinnern wird.

Am Freitag, 2. Oktober 2026, überreichte Bürgermeister Dr. Frank Blasch die Plakette an Wilfried Staub. Sie wird in einem der Blumenpflanzkübel vor dem alten Bahnhofsgebäude installiert – an einem Ort, der passender kaum sein könnte. Denn die Eisenbahn und der öffentliche Nahverkehr haben Wilfried Staub sein ganzes Leben begleitet. Gleichzeitig ist der Bahnhof ein Ort, an dem viele der Themen sichtbar werden, für die er sich über Jahrzehnte eingesetzt hat: gute Verbindungen, durchdachte Fahrpläne und funktionierende Umsteigemöglichkeiten.

„Fachkundiger und leidenschaftlicher Berater“

„Wilfried Staub hat die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Bad Soden und der gesamten Region über viele Jahre mitgeprägt. Für die Stadtverwaltung war er weit mehr als ein engagierter Bürger: Er war ein fachkundiger, leidenschaftlicher und verlässlicher Berater, dessen Wissen und Erfahrung wir sehr zu schätzen wissen“, sagte Bürgermeister Dr. Frank Blasch. „Die Plakette soll deshalb vor allem ein herzliches Dankeschön für ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement sein.“

Ein Leben zwischen Gartenbau, Eisenbahn, Medien und internationalen Aufgaben

Wilfried Staub, Jahrgang 1940, ist gebürtiger Bad Sodener. Seine Begeisterung für die Eisenbahn begann schon früh. Eigentlich wollte er Fahrplanmacher bei der Deutschen Bundesbahn werden. Eine Grün-Blau-Sehschwäche machte diesen Berufsweg jedoch zunichte. Seine Leidenschaft für die Bahn ließ sich davon allerdings nicht bremsen.

Nach dem Abitur arbeitete Staub zunächst bis 1975 im elterlichen Gartenbaubetrieb, bevor er zur Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wechselte. Dort war er unter anderem Leiter des Qualitätskontrolldienstes nach EG-Normen und als Berater für Qualitätssicherung von frischem Obst und Gemüse in zahlreichen Ländern tätig. Für die BLE, die GTZ und die Landwirtschaftskammer Hessen war er in insgesamt 23 Ländern im Einsatz. Zudem vertrat er die Bundesrepublik Deutschland in zwei Arbeitsgruppen der UN/ECE in Genf und wurde dort über sieben Jahre einstimmig zum Vorsitzenden gewählt.

Parallel dazu führte sein Weg immer wieder in die Welt von Radio, Fernsehen und Musik. Staub arbeitete als freier Radiomitarbeiter, war Manager einer Beat-Band, Mitarbeiter bei „Der goldene Schuss“ und der „ZDF-Hitparade“ und als DJ aktiv. Viele der damals geknüpften Kontakte zu Funk, Fernsehen und Fachpresse bestehen bis heute.

Von der historischen Eisenbahn zum modernen Nahverkehr

Mehr als 27 Jahre war Wilfried Staub Pressesprecher und Organisator der Historischen Eisenbahn Frankfurt und organisierte weit über 200 Dampf-Sonderzugfahrten im Advent, Fahrten „Rund um Frankfurt“. Insbesondere der jährliche Sonderzug zu „Rhein in Flammen“ wurde unter seiner Mitwirkung zu einer festen Größe im Jahreskalender.

Auch Bad Soden spielte dabei eine besondere Rolle. 1995 organisierte Staub zum 150-jährigen Bestehen der Strecke Höchst – Bad Soden eine historische Dampflok mit Speisewagen als „S-Bahn-Ersatzverkehr“.

Sein Engagement wandte sich zunehmend dem täglichen öffentlichen Nahverkehr zu. Bereits 1989 hatte er mit der Gestaltung einer Fahrplanbroschüre für Bad Soden erste Schritte in diese Richtung unternommen. Über viele Jahre engagierte er sich bei PRO BAHN, war Pressesprecher und stellvertretender Vorstand im Regionalverband Großraum Frankfurt und gehörte zwölf Jahre dem Fahrgastbeirat des Rhein-Main-Verkehrsverbundes an. Im Juni 2025 wurde er mit dem Ehrenpreis des PRO BAHN-Bundesverbandes ausgezeichnet.

Auch für die Stadt Bad Soden am Taunus war seine Expertise immer wieder wertvoll. Er vertrat die Stadt in der Gesellschafterversammlung und im Fachbeirat der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft und brachte sein Wissen unter anderem bei der Planung des ehemaligen Gleiskopfgeländes bei barrierefreien Bushaltestellen und beim neuen Zentralen Omnibusbahnhof ein. Viele Ideen, die heute selbstverständlich erscheinen – neue Verbindungen, optimierte Fahrpläne oder bessere Umsteigemöglichkeiten – haben auch mit seinem beharrlichen Engagement zu tun.

„Der Zug ist noch lange nicht abgefahren“

Seinen Rückzug aus den zahlreichen Ehrenämtern musste Wilfried Staub vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen sehr kurzfristig antreten. Heute, soweit es ihm wieder möglich ist, möchte er vor allem eines: Danke sagen. Danke an die vielen Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Bekannten und Unterstützerinnen und Unterstützer, die ihn über Jahrzehnte begleitet, ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden und seine Arbeit mitgetragen haben.

Deshalb hatte er für den 2. Oktober selbst zu einem persönlichen Treffen eingeladen. Es ist kein Abschied im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein Innehalten und Zurückblicken auf viele gemeinsame Jahre. Und wer Wilfried Staub kennt, weiß, dass selbst ein Rückzug bei ihm nicht ohne einen letzten augenzwinkernden Satz auskommt: „Der Zug ist noch lange nicht abgefahren.“

Bürgermeister Dr. Frank Blasch mit dem Bahnexperten Wilfried Staub. Quelle: Stadt Bad Soden am Taunus